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MÄRCHEN UND SAGEN

KAUM ZU GLAUBEN

WARUM BIERDORF BIERDORF HEISST

Es soll sich einst zugetragen haben, dass durch ein kleines verschneites Dorf oberhalb des Ammersees an Heilig Abend eine weiße Frau mit Gefolge zog. Für freies Geleit sorgte ein treuer Diener namens Kajetan, der die Kutsche, gezogen von sechs Schimmeln gezogen, begleitete. Kajetans Aufgabe war es, die dick vermummten Leute zur Seite zu scheuchen, damit ihnen kein Leid widerfahre. Ein paar Burschen vom Heimatverein jedoch hatten gerade an der Schenke beim Oberen Wirt in offenen Steinkrügen Bier geholt. Sie waren gut gelaunt in Vorfreude auf die Bescherung, sangen und lachten und hörten deshalb die Warnrufe des Dieners nicht. Und hast du es nicht gesehen, stürmten plötzlich sechs gruselige Begleiter der weißen Frau herbei und tranken die Krüge der Burschen leer. Nun war guter Rat teuer, drohte doch Ungemach, kehrten die Überfallenen mit leeren Krügen nach Hause. Da trat die weiße Frau herbei und tröstete die jammernde Gesellschaft. „Ich rate euch, kein Sterbenswörtchen von dieser Begegnung zu erzählen. Nie und niemanden. Geht nun flugs heim, so werden eure Krüge auf ewig voll sein.“
Zuhause angekommen wunderten sich neugierig gewordene Nachbarn, wieso in manchen Häusern Bier im Überfluss vorhanden war. Die Eltern der Burschen aber bohrten so lange nach, bis diese ihr Geheimnis verrieten. Da war es vorbei mit dem nicht enden wollenden Bierfluss. Seither aber warten die Bewohner von Bierdorf, wie der Weiler seit dem Ereignis genannt wird, jeden Heilig Abend auf die Ankunft der weiße Frau in der Hoffnung, es werde ein neues Wunder geschehen.
Uli Singer Weihnachten 2019