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SEX, DRUGS AND WURSCHTSALAT

Der Tiger mal so und mal so...

Warum das Buch?
Ja, warum das Buch über Wilhelm Raabe? Sagen wir mal so, warum ausgerechnet jetzt das Buch? Ganz einfach. Man schrieb das Jahr 2015. Da saß der Tiger wie so oft hier auf meiner Couch, erzählte Herrn Llambi Geschichten aus der Jugend und freute sich des Tages. Nebenher lief die Filmkamera, um schon mal Erinnerungen in Bild und Ton festzuhalten. Anlass war, ein Buch über den Tiger zu schreiben. Dieser hatte bereits Notizen vorbereitet und Jugendfotos mitgebracht.
„Spozal“, sagte er. „Spozal, wir müssen uns jetzt etwas beeilen und uns sehr oft treffen um alles aufzuschreiben. Weißt, ich vergess‘ immer mehr und bevor ich alles vergesse, müssen wir fertig sein.“ Tiger war begeistert. Nicht nur darüber, dass es über ihn ein Buch geben wird. Auch darüber, dass bereits der „Weiherer“ und die Gisela Forster einen Beitrag für das Buch abgeliefert hatten. Außerdem sagte auch Anselm Bigri zu, eine Geschichte beizusteuern.
„Ehrlich, der Anselm will auch etwas schreiben?“. Willi bekam sich nicht mehr ein.
„Klar, wenn er das sagt, dann macht er das auch“, beruhigte ich ihn.
„Mei, des gfreit mi aber. Der Anselm schreibt für mein Buch etwas.“
Die überschwängliche Freude wich schnell ersten Zweifeln.
„Also, wenn du übern Anselm was schreibst, dann schreibst bestimmt so viel über ihn, dass kein Platz mehr für mich bleibt. Der Anselm ist ja auch toll. Ich kenn‘ dich aber. Versprich mir, dass ich dann auch noch im Buch vorkomme und dass du nicht alles übern Anselm schreibst.“
Typisch Tiger. „Tiger, du bist alleinig der Inhalt des Buches. Und alle, die dazu etwas beisteuern, schreiben über ihre Freundschaft zu dir oder über Erlebnisse, die sie mit dir hatten. Hast mich?“
Tiger ist beruhigt. „Kommen dann auch Fotos von mir rein?“
„Ja, Tiger. Fotos und Geschichten. Einverstanden?“
Wilhelm Raabe nahm mir an diesem Nachmittag noch mehrmals das Versprechen ab, mich sofort an die Umsetzung unserer Idee zu machen.
„Versprochen!“
Tiger war zuversichtlich, als er das Haus verließ und versprach seinerseits, in seinen Erinnerungen zu kramen, mit verschiedenen Menschen zu sprechen, die noch etwas dazu beitragen konnten und Morgen wieder zu kommen.
„Pfiad di, Spozal. I gfrei mi so.“
Das war es dann. Von diesem Tag an kam weder der Tiger zu mir, noch war er für mich telefonisch zu erreichen. „Herr Raabe schläft gerade“, hieß es dann. Oder „Herr Raabe ist nicht da.“
Willi hatte ja zwischenzeitlich geheiratet. Ich gab auf. Erst nach seinem Tode erfuhr ich, dass es vielen seiner engsten Freunde ähnlich ergangen ist. Und da entstand die Idee, das einst gegebene Versprechen auch nach Willis Tod umzusetzen. Das Ergebnis liegt nun vor…
Spannend bei der Herstellung des Buches war übrigens, dass einige Begebenheiten, insbesondere diejenigen, die sehr sehr lange zurück liegen, von den Mitautoren aus verschiedenen Perspektiven und auch verschieden gesehen wurde.
Dies wurde bewusst nicht korrigiert. Entstanden ist so ein zugegebenermaßen unvollständiges Werk, geschrieben aber ganz im Sinne des Protagonisten. Ein bißerl chaotisch, ein bißerl durchanand – aber durchaus lesens- und liebenswert.
Bussi, Bussi – lieber Tiger. So bleibst Du unvergessen.
Uli Singer, Oktober 2020
Mehr über den Tiger sowie ein Mitschnitt der Buchpräsentation unter www.tiger-willi.de